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Eltern sind empört, weil die Schule Mathe und Naturwissenschaften durch Achtsamkeit und Aktivismus ersetzt.

Lehrerin hält Notizbuch, während Kinder im Kreis auf Boden sitzen und zuhören, bunte Klassenzimmerumgebung im Hintergrund.

Auf an grauen Dienstag in der Vorstadt von Denver hat in der Maple Ridge Middle School die Glockn zur ersten Stund g’läutet. Die Eltern sind aus’m Gebäude rausg’schoben, mit zerknitterten Flugzetteln in da Hand, die Augenbrauen hoch, manche wirklich grantig. Mathe und Naturwissenschaften, hat’s am Stundenplan g’heißen, seien „vorübergehend neu gedacht“ worden – als tägliche Blöcke für „Achtsamkeitsübung“ und „Labs für Social-Justice-Engagement“.

Am Parkplatz is a Vater neben seinem SUV g’standen und hat das alte Algebra-Buch von seinem Buben g’halten wie a Reliquie aus ana andern Zeit. „Also … ka Gleichungen mehr?“, hat er g’murmelt – halb zu sich, halb zu allen, die’s hören wollten. A paar Meter weiter hat a Mutter wütend am Handy g’scrollt und schon an Facebook-Post tippt, der bis zum Abend hunderte Male geteilt werden würd.

Drinnen in da Schule hat am Whiteboard in Raum 12B g’standen: „Heutiges Ziel: Erforsche dein inneres Aktivist*in-Sein.“

Draußen war die Frage a andere.

Wenn der Matheunterricht über Nacht verschwindet

Als Erstes haben die Eltern g’merkt, dass was ned passt, wie die Kinder a ganze Woche lang ohne Mathe-Hausübung heimkommen sind. Am Anfang waren manche insgeheim erleichtert. Ka Bruchrechnungs-Schlachten am Küchentisch, ka spätnächtliches Googeln von „wie helf i bei Geometrie in da 7. Schulstufe“.

Dann is da neue Stundenplan über a PTA-Mail rausg’sickert. Algebra und Allgemeine Naturwissenschaften san in zwoa neue Blöcke eing’faltet worden: „Achtsame Staatsbürgerkunde“ und „Community Action Studio“. Die Formulierungen haben g’klungen wie a Prospekt von ana Wellness-Auszeit. Den Eltern hat ma g’sagt, die Schüler*innen würden „emotionale Wahrnehmung, Identitätskompetenz und Advocacy-Skills“ entwickeln.

Auf Social Media san Screenshots schneller g’flogen als jede offizielle Erklärung. Der Satz, der allen im Hals stecken blieben is, war schlicht: Mathe und Naturwissenschaften seien „zurückgereiht“ worden.

Die Spannung is dann bei ana vollen Schulboard-Sitzung explodiert. Klappstühle haben g’scharrt, Mikrofone haben g’krächzt, und einer nach’m andern san Eltern zum Pult gangen. A Software-Engineer im Hoodie hat erzählt, wie sein 13-Jähriger a ganze „Naturwissenschaftsstund“ lang über Gefühle Tagebuch g’schrieben und a Video über Klimaaktivismus g’schaut hat – statt Grundlagen von Physik zu lernen.

A andere, a Krankenschwester, hat g’sagt, ihre Tochter wüsst ned, wie ma Prozente ausrechnet, könnt aber jetzt ein Fünf-Schritte-„Allyship“-Gelöbnis aufsagen. Im Raum is was umg’schlagen, unguat. Manche Eltern haben den Fokus auf seelisches Wohlbefinden beklatscht. Andere haben nur den Kopf g’schüttelt – Arme verschränkt, Lippen fest.

Wie dann der Superintendent g’redt hat, san die lokalen TV-Kameras eh schon g’rollt, auf der Suche nach am Soundbite, der das ganze Chaos in 12 Sekunden z’sammfasst.

Unter dem Ärger sitzt a sehr rohe Angst: dass Kinder grundlegende Fähigkeiten verlieren in ana Welt, die eh schon brutal konkurrenzbetont is. Eltern haben ned darum kämpft, dass ihre Kinder in g’scheite öffentliche Schulen kommen, damit’s dann als Erwachsene ka einfache Tabellenkalkulation z’sammbekommen oder a Impfdiagramm ned verstehen.

Die Verteidigung vom Bezirk is, dass „traditionelle Fächer in ganzheitliche Lernerfahrungen integriert“ werden. Klingt auf a Präsentationsfolie nett. In ana echten Klasse heißt das oft: weniger klare Lektionen, weniger Tests, weniger eindeutige richtig-oder-falsch Antworten.

Seien ma ehrlich: Ka Mensch kontrolliert wirklich, wie viel Unterrichtszeit langsam wegdriftet – bis die Zeugnisse heimkommen, dünn an Fakten und schwer an „Mitarbeit“.

Wo Achtsamkeit hilft … und wo’s z’weit geht

A frustrierte Mutter, Lena, hat beschlossen, als Freiwillige bei am Block „Achtsamkeit und Aktivismus“ dabei z’sein. Die ersten zehn Minuten haben ihr noch eing’leuchtet. Licht gedimmt, Kinder atmen langsam, a Lehrkraft führt durch a kurze Erdungsübung. Bei dem Stresspegel, den viele Kinder heut mittragen, hat sich das fast wie a Geschenk ang’fühlt.

Dann – ohne Übergang – is der Unterricht abgebogen. Die Schüler*innen san in Gruppen eingeteilt worden und haben Protestplakate gestalten sollen zu „Themen, die dich wütend oder traurig machen“. A paar ham Pausenregeln oder Kantinenessen g’nommen. Andere san sofort bei hitzigen politischen Themen g’landet, die’s von TikTok halt nur halb verstanden ham.

Am End von der Stund hat niemand a einziges Mathebeispiel g’löst. Niemand hat a simples Experiment gmacht. Die einzigen Zahlen am Board waren Datum und Stunde.

Es gibt a subtile Falle, in die Schulen tappen, wenn’s verzweifelt modern und „engagiert“ wirken wollen. Dann werden konkrete Kompetenzen zu langweiligen Relikten erklärt, und emotionaler oder aktivistischer Inhalt zur erleuchteten Zukunft. Eltern fühl’n sich dann wie die Bösewichte, wenn’s sagen: „Mein Kind braucht trotzdem die schriftliche Division.“

Viele Familien fühl’n sich außerdem beurteilt. Als würd Hinterfragen von den neuen Fächern heißen, man wär gegen mentale Gesundheit oder soziale Gerechtigkeit. Diese Scham bringt manche zum Stillsein – sogar dann, wenn’s Bauchgefühl schreit, dass was ned stimmt.

Des kennt ma: der Moment, wo ma denkt: „Bin i die/der Einzige, der das sieht?“ und man schaut im Raum herum und hofft, wer anderer hebt zuerst die Hand.

Bei ana angespannten Sitzung is a pensionierte Naturwissenschaftslehrerin aufg’standen und hat ruhig g’sagt:

„I hab 30 Jahr lang g’sehen, wie Kinderaugen aufleuchten, wenn a chaotisches Experiment plötzlich Sinn ergibt. Empathie und Aktivismus kann ma vermitteln, ohne dass ma diesen Funken aus Physik und Chemie raubt. Das san ka Feinde.“

Der Raum is still wordn.

Am Whiteboard hinter ihr hat wer früher am Abend drei Fragen hing’schrieben:

  • Was riskieren ma, wenn Kernfächer in „Themen“ verschwimmen?
  • Wer entscheidet, welcher Aktivismus im Unterricht wichtig is?
  • Wie messen ma Lernen, wenn’s ka richtigen Antworten gibt?

Die Fragen sind dort g’hangen, leise, während die Eltern in den Parkplatz rausgangen sind und ihre eigenen stillen Antworten formt ham.

Wos Eltern wirklich wollen

Wenn ma die Slogans und Hashtags wegnimmt, wollen die meisten Eltern überraschend wenig Spektakuläres: Balance. Keiner verlangt die Rückkehr zu Kreidestaub und Totenstille. Aber sie wollen ned, dass Achtsamkeit Mathe verschluckt oder Aktivismus echte Naturwissenschaft ersetzt.

A Vater, den i g’redt hab – Elektriker – hat’s direkt g’sagt. Sein Bub hat in da Schule a ganzen Wortschatz an Identitätslabels g’lernt, tut sich aber noch schwer, an Stromlaufplan z’lesen. „Beides is wichtig“, hat er g’sagt. „Aber eins davon zahlt die Miete.“ Der Satz is g’landet mit ana dumpfen, unbestreitbaren Schwere.

Kinder können sich ums Klima kümmern und trotzdem wissen müssen, wie ma die Oberfläche von am Dach ausrechnet.

Für viele Familien is das Härteste, dass sie sich aus der Diskussion ausgeschlossen fühlen. Die neuen Programme kommen oft in Fachchinesisch daher und wirken wie nicht verhandelbar. Eltern kriegen Hochglanzbroschüren statt einfachem Klartext. Manche haben Angst, als „rückständig“ oder „gefühllos“ abgestempelt zu werden, wenn’s dagegenhalten.

A ehrlicher Weg nach vorne fängt damit an, dass Schulen zugeben, wenn a Experiment z’weit gangen is. Dass vielleicht – nur vielleicht – fast die ganze Mathe-Übungszeit gegen „Reflexionskreise“ auszutauschen doch ned der Geniestreich war, der’s in am Workshop ausg’schaut hat.

Ein Satz in meinem Notizbuch is nach ana langen PTA-Nacht g’standen: „Wenn mein Kind ka einfache Algebra schafft, dann is euer Programm gescheitert – egal wie woke oder gut g’meint.“

Mitten in dem Ganzen zeichnet sich in manchen Bezirken langsam a Kompromiss ab:

„Mir san ned gegen Achtsamkeit oder politisches Engagement“, hat a Mitglied vom Schulboard g’sagt. „Mir san dagegen, so zu tun, als wär das dasselbe wie a Fach wirklich zu beherrschen. Achtsamkeit kann Lernen unterstützen. Sie soll’s ned ersetzen.“

A paar Schulen haben leise wieder klassische Mathe- und Naturwissenschaftsstunden eingeführt, während’s kürzere tägliche Check-ins oder wöchentliche Gesprächskreise beibehalten.

Eltern, die genau hinschauen, stellen mittlerweile drei sehr praktische Fragen:

  • Gibt’s im Stundenplan an klaren, fixen Block für Mathe und Naturwissenschaften?
  • Kann mir mein Kind konkrete Fähigkeiten zeigen, die’s diesen Monat g’lernt hat?
  • Werden emotionale und soziale Inhalte als Unterstützung unterrichtet – ned als Ersatz?

Das san ka radikalen Forderungen. Das san Grundlagen von Vertrauen zwischen Schule und Familie.

Wo uns diese Debatte wirklich hinführt

Unter den Schlagzeilen is das ned nur a Culture-War-Scharmützel über Buzzwords am Whiteboard. Es is a tiefere Auseinandersetzung darüber, wofür Schule überhaupt da is. Soll sie Kinder auf an komplexen Arbeitsmarkt vorbereiten? A Schutzraum sein, wo’s a chaotische Welt verarbeiten? A Trainingslager für künftige Aktivist*innen? Je nachdem, wenst fragst, verschiebt sich die Antwort.

Die Wahrheit is: Viele Kinder brauchen Atemtechniken, sichere Gespräche und Unterstützung, um in ihrem Leben zurechtzukommen. Viele brauchen genauso eine solide, unverkrampfte Anleitung in Algebra, Biologie und grundlegender Logik, damit’s überhaupt Mitsprach’ über ihre Zukunft haben. Diese Bedürfnisse heben einander ned auf. Sie stehen nebeneinander – im gleichen überfüllten Stundenplan.

Eltern in Maple Ridge und anderswo verlangen ned, dass Schulen Empathie abdrehen oder schwierige Themen totschweigen. Sie stellen a härtere Frage: Wenn der Schultag nur so lang is – welches Wissen schützen ma wirklich, als ging’s ums Eing’machte? Die Frage passt auf kan Flyer, aber sie hängt in da Luft, wenn die nächste Glockn läutet und der nächste „integrierte Block“ beginnt.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leser*innen
Grundkompetenzen zählen Mathe- und Naturwissenschaftsblöcke durch vage „ganzheitliche“ Fächer zu ersetzen schwächt essenzielle Fähigkeiten Hilft Eltern, klar für geschützte Zeit in Kernfächern zu argumentieren
Balance statt Backlash Achtsamkeit und Aktivismus können Lernen unterstützen, wenn’s ergänzen statt ersetzen Bietet an Mittelweg zwischen Totalablehnung und blindem Abnicken
Konkrete Fragen stellen Stundenpläne, Aufgaben und sichtbare Monats-Lernfortschritte zeigen, was wirklich passiert Gibt Leser*innen a einfache Möglichkeit, die Bildung vom eigenen Kind zu überprüfen

FAQ:

  • Frage 1: Sind Achtsamkeits- und Aktivismusklassen immer was Schlechtes?
  • Frage 2: Woran erkenn i, ob Mathe und Naturwissenschaften bei meinem Kind zurückg’stellt werden?
  • Frage 3: Was soll i bei ana Schulbesprechung sagen, ohne feindselig zu klingen?
  • Frage 4: Kann ma Aktivismus und Naturwissenschaft sinnvoll gemeinsam unterrichten?
  • Frage 5: Was, wenn mein Kind die neuen Klassen mag, aber schulisch ins Hintertreffen gerät?

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