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Hygiene ab 65 läuft anders – tägliches oder wöchentliches Duschen ist oft gar nicht nötig, auch wenn Ärzte das selten sagen.

Ältere Frau wäscht Hände mit heißem Wasser im hellen Badezimmer, Handtuch in der Hand, Pflanzen auf der Fensterbank.

Der Baderaum is hell, fast scho z’hell für 8 in da Fruah, und des Rauschen vo da laufenden Dusch hallt durch’n Gang. D’Marie, 72, schaut aufn g’fliesten Boden und rechnet in aller Ruh im Kopf: nasse Füaß, rutschige Badematt’n, Hüftprothese letztn Winter. Vor fünfzehn Jahr war’s ihr wurscht gwesen, sie war einfach einigstiegn, hätt vielleicht zum Radio mitgsummt. Heit greift sie stattdessen zu am warmen Waschlapperl, zu ana Flaschn sanften Reiniger, und nimmt si Zeit vorm Waschbecken. Ihre Tochter, grad im Gang vorbeigehend, hebt a Augnbrau. „Du duschst net?“, fragt’s – halb besorgt, halb urteilend, als wär a ausgelassene tägliche Dusch gleichbedeutend damit, dass ma s’Leben aufgibt. D’Marie zuckt mit de Schultern. Ihr Körper, ihre Regeln.
Manche Rhythmen ergeben erst Sinn, wenn ma bei ihnen angekommen is.

Wenn Hygiene nimma „täglich duschen oder gar net“ heißt

Ab 65 verändert sich die Beziehung zu Wasser, Seif’n und da Uhr im Bad ganz leise. Da Körper wird langsamer, d’Haut dünner, s’Gleichgwicht fragiler. A schneller Hupfer unter d’Dusch wird zu ana kleinen Expedition. Ma merkt’s dran, wie ältere Leit si bewegen: mit da Hand an da Wand, Schritt für Schritt vorsichtig. Nur da soziale Druck bleibt derselbe.
Wir flüstern no immer „Die Oma wäscht si zu wenig“, statt z’fragen, wie sie ihre Morgen überhaupt bewältigt.

Ärztinnen und Ärzte wiederholen bei Kontrollen oft dieselbe Grundbotschaft: „Gute Hygiene, aktiv bleiben, genug trinken.“ Klingt vernünftig, eh klar. Was selten laut g’sagt wird: Tägliches Duschen kann reife Haut austrocknen, Juckreiz verstärken oder kleine Risse verursachen, die si später entzünden. Also improvisieren ältere Menschen. Sie waschen abschnittsweise, baden ein- bis zweimal pro Woche, frischen si am Waschbecken auf. A Umfrage in mehreren europäischen Ländern hat g’zeigt, dass viele Seniorinnen und Senioren ihren Rhythmus ohnehin still anpassen – ohne groß drüber zu reden.
Sie hören einfach auf, zu erzählen, wie oft sie duschen.

Da läuft a stilles Abkommen. D’Gesellschaft mag das Bild vom „sauberen, geschniegelt’n“ Pensionisten, der ins Fitnessstudio geht und lebt wie a 40‑Jähriger mit mehr Freizeit. Da Körper hingegen schickt neue Richtlinien: trockenere Haut, weniger Schweiß, mehr Müdigkeit, mehr Angst vorm Ausrutschen. Des is ka Faulheit. Des is Physiologie. Weniger Schweiß heißt weniger Geruch, weniger Talg heißt mehr Reizung, und lange heiße Duschen strippen die Haut. D’alte Regel „einmal am Tag, sonst bist dreckig“ passt in diese neue Realität nimma wirklich.
Hygiene ab 65 geht weniger um Häufigkeit als um a g’scheite Strategie.

Kleine Gesten, die mehr zählen als lange Duschen

A realistischere Routine ab 65 fangt oft beim Waschbecken an, net unter da Dusch. A warmes Flanell, a sanfter Reiniger und zehn ruhige Minuten können Wunder wirken. G’sicht, Achseln, Intimbereich, Füaß: des Wesentliche. Viele geriatrische Pflegekräfte empfehlen des als täglichen Rhythmus, und a volle Dusch oder a Bad ein- bis zweimal pro Woche – je nach Gesundheit, Schweiß und Lebensstil. Kurz, lauwarm, net kochheiß.
Ziel is: sauber bleiben, ohne d’Haut ausz’laugen oder a böses Ausrutschen zu riskieren.

Und dann gibt’s die Frag, die bei Familienessen keiner gern anspricht: Geruch. Viele fürchten, „der/die zu sein, der/die nach alt riecht“. Diese Angst treibt Seniorinnen und Senioren oft in Routinen, die sie z’sehr erschöpfen. Ma sieht an älteren Mann, der si jeden Tag in die Dusch zwingt, sich am Griff festklammert – stur aus Stolz. Oder a Frau mit Arthrose, die versucht, die Haare über der Badewann zu waschen und fast s’Gleichgwicht verliert. Da Körper zahlt den Preis.
Echte Hygiene ab 65 heißt a, die eigenen Grenzen zu respektieren – ohne sich dafür zu schämen.

„Die meisten meiner Patientinnen und Patienten glauben, gute Hygiene heißt: täglich duschen“, gibt Dr. L., Geriater, zu. „I sag ihnen: Ihre Haut hat si verändert, ihr Sturzrisiko hat si verändert. Ihr Rhythmus darf si auch ändern – und des heißt net, dass’s euch gehen lasst.“
Er redet stattdessen über saubere G’wand, frische Unterwäsch, sanfte Seif’n und gezieltes Waschen. „Es geht drum, sich im eigenen Körper wohlzufühlen – net drum, auf irgendeiner unsichtbaren Checkliste a Kastl zu machen.“

  • Die wichtigen Bereiche täglich am Waschbecken waschen (Achseln, Intimzone, Füaß, G’sicht).
  • Duschen kurz halten, lauwarm; ein- bis zweimal pro Woche, wenn d’Haut empfindlich is.
  • Milde Seif’n verwenden und d’Haut lieber abtupfen statt fest rubbeln.
  • Beine, Arme und Rücken eincremen, besonders wenn ma weiße, schuppige Stellen sieht.
  • Unterwäsch und Socken täglich wechseln, Kleidung regelmäßig, Bettwäsche nach am fixen Plan.

A neuer Rhythmus, der Ehrlichkeit verlangt – net Perfektion

Die meisten Leit über 65 lernen des langsam, oft heimlich. Sie passen ihren Hygienerhythmus so an wie ihre Gehgeschwindigkeit oder den Abendablauf: weniger Hetz, mehr Hinhören. A Nachbar duscht nur mehr alle drei Tag und fühlt si besser. A Witwer rasiert si wieder jeden Morgen, weil’s ihn erdet, auch wenn er seltener duscht. Diese kleinen, persönlichen Verhandlungen stehen in keiner medizinischen Checkliste – aber sie entscheiden über den täglichen Komfort.
Hand aufs Herz: Ka Mensch macht des wirklich jeden einzelnen Tag genau so, wie’s in die Broschüren drinsteht.

Kernpunkt Detail Nutzen für die Leserinnen und Leser
Häufigkeit anpassen Von „jeden Tag“ zu a Mix aus täglichem gezieltem Waschen und wöchentlichen Duschen Verringert Müdigkeit und Hautprobleme, ohne dass Sauberkeit verloren geht
Haut schützen Sanfte Produkte, lauwarmes Wasser und Feuchtigkeitscreme Reduziert Juckreiz, Risse und Infektionen, die sonst schnell größer werden können
Unfälle vermeiden Sichere, kürzere Routinen und Hilfsmittel im Bad Senkt Sturzrisiko und erhält Selbstständigkeit und Würde

FAQ:

  • Frage 1: Is es unhygienisch, wenn jemand über 65 nur ein- bis zweimal pro Woche duscht?
    Antwort 1: Na, net wenn täglich die wichtigen Bereiche gezielt gewaschen werden und Kleidung sowie Unterwäsch regelmäßig gewechselt werden. Reifere Haut schwitzt meistens weniger; Sauberkeit hängt mehr von der Methode ab als von starrer Häufigkeit.
  • Frage 2: Mein Elternteil weigert si, jeden Tag zu duschen. Soll i ma Sorgen machen?
    Antwort 2: Schau aufs Gesamtbild: Geruch, Hautzustand, Stimmung und Beweglichkeit. Wenn am Waschbecken gewaschen wird, d’Kleidung sauber is und die Person si wohlfühlt, is der Rhythmus oft einfach ans Alter und an die Energie angepasst.
  • Frage 3: Was san klare Zeichen, dass Hygiene nimma ausreicht?
    Antwort 3: Anhaltender starker Geruch, sichtbarer Schmutz in Hautfalten, rote oder entzündete Stellen, wiederkehrende Harnwegs- oder Hautinfektionen sowie Kleidung oder Bettwäsche, die über längere Zeit net gewechselt werden.
  • Frage 4: Welche Produkte san für ältere Haut am besten?
    Antwort 4: Milde, wenig parfümierte Reiniger, Syndet-Stückerl oder ölbasierte Waschprodukte, danach einfache, net reizende Feuchtigkeitscremes. Oft funktionieren Produkte aus der Apotheke oder „Sensitive“-Linien besser als stark parfümierte Seifen.
  • Frage 5: Wie kann die Familie über Hygiene reden, ohne an ältere Verwandte zu demütigen?
    Antwort 5: Auf Komfort und Sicherheit fokussieren statt auf Schuld. „Ich“-Sätze verwenden, fragen, wie die Routine derzeit klappt, Hilfe bei Hilfsmitteln oder Produkten anbieten und öffentliche Bemerkungen oder Witze über Geruch oder Aussehen vermeiden.

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