Der Hörsaal hat eh schon g’summt, wie sich das G’rücht entlang der Reihen aus Plastiksesseln ausbreitet hat. Handys haben aufg’leuchtet, Daumen sind g’flitzt, Köpfe haben si umdraht. A Screenshot von ana E‑Mail von am bekannten Professor aus den Geisteswissenschaften is von Gruppenchat zu Gruppenchat g’hupft: „Traditionelle Prüfungen san strukturell rassistisch. Alle Studierenden sollen die gleiche Note kriegen.“
Manche haben g’lacht. Manche haben a bissl zu lang aufs Display g’starrt. Hinten hat wer g’flüstert: „Wart … heißt des, i muaß ned lernen?“ A andere Person, eh scho bis über d’Ohren in Studienkrediten, hat die Stirn g’runzelt: „Also is mei Arbeit wurscht?“
Da Professor is eina ganga, als wär nix g’wesen, hat sei Laptop aufg’macht und si g’räuspert. Im Raum is auf einmal Stille g’wesen, irgendwo zwischen Hoffnung, Panik und Unglauben.
Keiner hat so recht g’wusst, ob des a Revolution is – oder a Autounfall in Zeitlupe.
„Prüfungen san rassistisch“: Campus-Bombe oder längst fällige Abrechnung?
Auf dem Campus is die Haltung vom Professor ned nur wie a Tweet eingeschlagen – des war eher wie a Feueralarm. Des war ka anonymer Lektor, der Aufmerksamkeit braucht. Er war fix ang’stellt, anerkannt, in Zeitungen zitiert – und jetzt behauptet er, dass Notensysteme von oben bis unten in Vorurteile eing’soakt san.
Sein Kernargument war so einfach, dass es in a Schlagzeile passt: Prüfungen belohnen die, die eh schon wissen, wie des Spiel rennt. Studierende, die mit Nachhilfe aufg’wachsen san, mit am ruhigen Zimmer, und Eltern, die selber studiert haben. Studierende, die den „richtigen“ Dialekt vom Englischen sprechen. Alle andern starten drei Schritte hintn.
Also warum ned, fragt er, allen die gleiche Note geben und dem System, das er „akademisch gewalttätig“ nennt, den Stecker ziehen?
In an seiner Lehrveranstaltungen – so geht die G’schicht – hat er des a Semester lang ausprobiert. Ka Kurve. Ka Punkte. Ka Rotstift-Kommentare, die internationalen Studierenden leise signalisieren, ihr Englisch „is no ned ganz dort“. Jede Person, die eing’schrieben blieb, hat a Eins (A) kriegt.
Am Anfang hat si der Kurs ang’fühlt wie Sommerlager. Ka Angst vorm Durchfallen, ka Nächte durchlernen mit Energy-Drinks und Panik. A Studentin hat zum ersten Mal Risiken in Diskussionen eing’gangen. A anderer, der sonst hinten sitzt und nuschelt, hat auf einmal Gruppenarbeiten präsentiert – mit am Selbstvertrauen, das keiner von ihm kennt hat.
Aber in Woche acht is a neue Spannung einig’schlichen. Da Technikstudent, der drei Jobs g’habt hat, schaut auf an Kollegen, der nie auftaucht, und sagt’s laut: „Also kriegen wir die gleiche Belohnung?“ Wieder is es still worden – aber diesmal war’s a andere Art von Stille.
Des Argument vom Professor, dass in Prüfungen Rassismus drinsteckt, kommt ned aus’m Nichts. Jahrzehnte Forschung zeigen, dass standardisierte Tests oft bestehende Ungleichheiten spiegeln: Zugang zu guaten Schulen, Testvorbereitung, sogar Ernährung und Schlaf. Studierende aus marginalisierten Gruppen stoßen auf Sprachbarrieren, kulturelle Anspielungen, die ned zu ihrem Leben passen, und unbewusste Vorurteile bei der Bewertung von Essays.
Wenn ma des dann no obendrauf packt: Druck als Erste in der Familie zu studieren, Teilzeitjobs, und manchmal ganz offene Diskriminierung – dann schaut der Traum von ana „rein objektiven Prüfung“ auf einmal ziemlich naiv aus. Tests werden weniger zur Messung von „Rohbegabung“ und mehr zur Frage, wer gelernt hat, a sehr spezielle akademische Kultur zu entschlüsseln.
Der Professor sagt im Grunde: Das Spielfeld is so schief, dass sogar die Anzeigetafel unehrlich worden is. Für ihn san gleiche Noten a radikaler Reset-Knopf.
Kann a Note wirklich für alle „gleich“ sein?
Hinter dem Drama von „alle kriegen a Eins“ steckt a leisere Frage: Was sollen Noten eigentlich leisten? San’s Belohnungen, Signale für Arbeitgeber, oder nur a Sortiermaschine, die Unis nie ernsthaft hinterfragt haben?
Manche Pädagoginnen und Pädagogen schlagen an anderen Weg vor. Statt einmalige High-Stakes-Prüfungen nutzen’s „Contract Grading“: Ma einigt si am Anfang auf Arbeitsumfang und Lernziele, und die Endnote hängt davon ab, was du erledigst – ned davon, ob du deine Kolleginnen und Kollegen ausstichst. Andere setzen auf Bestanden/Nicht bestanden, detailliertes schriftliches Feedback oder Portfolios, die Entwicklung über Zeit dokumentieren.
Diese Modelle schaffen Standards ned ab. Sie verschieben, wo der Druck sitzt: weniger aufs Auswendiglernen unter Neonlicht, mehr aufs Auseinandersetzen mit dem Stoff wie a tatsächlicher Mensch.
Die Studierenden stecken mitten in dem Experiment. A Absolventin, mit der i g’redt hab – Tochter von Migrant:innen und die Erste in der Familie an der Uni – hat was gesagt, das hängen bleibt: „Prüfungen san furchtbar. Aber sie san a der einzige Beweis, dass i mithalten kann.“
Sie hat jahrelang Multiple-Choice gebüffelt, bis spät in der Bibliothek g’sessen und si g’sorgt, dass wenn Noten nix mehr bedeuten, der Lift, in den sie si mühsam reing’kämpft hat, einfach stehen bleibt. „Wenn alle die gleiche Note kriegen“, hat sie g’sagt, „sieht dann irgendwer, wie hart i gearbeitet hab?“
Auf der anderen Seiten hat a Student, der seine Erstjahresprüfungen zweimal verhaut hat, genau das Gegenteil empfunden: „Prüfungen zeigen ned, wie g’scheit i bin – sie zeigen nur, wie müde i bin.“ Zwei Studierende, gleiches System, völlig unterschiedliche Wunden.
Kritiker:innen warnen vor an anderen Risiko: Noteninflation, die still das Vertrauen zerstört. Arbeitgeber, Masterprogramme, Stipendienkomitees – alle nutzen Noten als schnelle Abkürzung. Wenn jedes Zeugnis wie a Meer aus Einsen ausschaut, wird das Signal unscharf.
Und sie fragen: Wenn Anstrengung und Ergebnis nimmer sichtbar zusammenhängen, was passiert mit der Motivation? Es gibt an simplen Satz, den keiner gern laut sagt: Manche Studierende lassen wirklich aus, wenn der Einsatz wegfällt.
Gleichzeitig is es a eigene Art von Fantasie, so zu tun, als wärn Prüfungen neutral, wissenschaftlich und frei von Bias. Ja, Studierende müssen bewertet werden. Aber sie müssen a g’sehn werden. Der eigentliche Streit geht ned nur um Noten, sondern darum, wessen Geschichte überhaupt als „Leistung“ zählt.
„Fairness“ neu denken, ohne alles niederzubrennen
Wenn du als Studierende:r in der Debatte steckst, kannst du die Uni-Regeln ned über Nacht umschreiben. Aber du kannst verändern, wie du dich darin bewegst. A leise Strategie is, Noten als Übersetzung zu sehen, ned als Urteil. Sie san a Sprache, die das System spricht – aber ned die ganze G’schicht von deinem Wert.
Praktisch heißt des: Führ a privates „Portfolio“ von deinem echten Lernen – Projekte, Entwürfe, Feedback, Randnotizen, sogar Fehler, aus denen du was g’lernt hast. Wenn a Note zufällig oder unfair wirkt, hast trotzdem an nachvollziehbaren Beleg, der für dich Sinn macht.
Manche starten Kurse a damit, Professor:innen einfache, entwaffnende Fragen zu stellen: „Woran erkennt ma in Ihrer Lehrveranstaltung Erfolg ganz konkret?“ „Welche typischen Fallen san früheren Jahrgängen passiert?“ A bissl Klarheit kann das Spielfeld mehr ebnen als jede dramatische Policy-Mail.
Auf der Lehrenden-Seite ringen viele Professor:innen eh still mit der gleichen Schuld und Verwirrung, die die virale E‑Mail laut rausg’schriahn hat. Sie sehen, wer stolpert. Sie wissen, wer extra Schichten übernimmt. Sie spüren das Gewicht von jedem roten Strich am Papier.
Einige probieren kleine Änderungen statt pauschal gleicher Noten: Die schlechteste Prüfung streichen. Wiederholungen erlauben, die auf Missverständnisse fokussieren. Sprachmechanik vom Inhalt trennen für Studierende, die in der zweiten oder dritten Sprache schreiben. Des san ka perfekten Lösungen, aber sie senden a andere Botschaft: „I bewerte deine Lernkurve – ned nur deine Performance an an schlechten Dienstag.“
Wir waren alle schon dort: der Moment, wo a einzelne Zahl am Screen sich wie a Urteil über die Zukunft anfühlt. Es is schwer, einem System zu vertrauen, das des in fünf Sekunden kann.
Der Professor im Zentrum der G’schicht zitiert seinen Studierenden gern a Zeile, und seit die E‑Mail geleakt is, is sie in unzähligen Groupchats kopiert worden.
„Benoten heißt ned nur, dass ma euch reiht“, sagt er in der ersten Woche. „Es bringt euch bei, was für a Mensch ihr glaubts, dass ihr werden dürfts.“
Dann schreibt er drei Fragen an die Tafel und lasst’s das ganze Semester dort stehen:
- Wer profitiert davon, wie wir „Talent“ derzeit messen?
- Welche Risiken würdest du eingehen, wenn deine Note ned am Spiel steht?
- Wie würdest du beurteilt werden wollen, wenn dein Name und dein Hintergrund unsichtbar wären?
Manche verdrehen die Augen, andere machen Fotos, a paar spüren, wie irgendwas aufbricht. Die E‑Mail über „rassistische Prüfungen“ verschwindet vielleicht wieder aus dem News-Zyklus – aber die Fragen leben länger als jede Schlagzeile.
Was diese Kontroverse leise über uns verrät
Der Streit um Prüfungen und „gleiche Noten für alle“ klingt wie a akademische Essensschlacht – bis ma genau hinhört, was die Leute wirklich fürchten zu verlieren. Für die einen is es das Versprechen, dass harte Arbeit g’sehn wird. Für die andern is es die Hoffnung, dass ihre Kämpfe ned endlos bestraft werden von am System, das nie für sie mitgedacht worden is.
Was da am Campus passiert, geht ned nur um die radikale Lösung von am Professor. Es is a Riss in dem polierten Bild von Meritokratie, das moderne Unis gern projizieren. Studierende sagen langsam laut, was früher in Gängen g’flüstert worden is: Die Regeln treffen ned jeden Körper gleich.
Seien wir ehrlich: Niemand glaubt wirklich, dass Noten jedes einzelne Mal a reine Spiegelung von Intelligenz san. Sie san a Mischung aus Einsatz, Glück, Gesundheit, Bias, Timing – und manchmal schlicht Chaos. Vielleicht beginnt die echte Veränderung dort, wo ma aufhört, so zu tun als wär’s anders, und mutiger fragt: ned „Sollen alle a Eins kriegen?“, sondern „Welche Art von Lernen is es wert, dass ma’s schützt – sogar dann, wenn die Noten verschwinden?“
| Kernaussage | Detail | Nutzen für die Leser:innen |
|---|---|---|
| Prüfungen tragen versteckten Bias | Standardisierte Formate bevorzugen oft Studierende mit bestimmten kulturellen, sprachlichen und wirtschaftlichen Hintergründen | Hilft zu verstehen, warum manche „Misserfolge“ mehr über das System sagen als über die Fähigkeiten |
| Alternative Benotung gibt’s | Contract Grading, Bestanden/Nicht bestanden, Portfolios und Wiederholungen können Druck reduzieren, ohne Standards zu streichen | Liefert konkrete Ideen für Gespräche mit Lehrenden/Institutionen und fürs Einfordern von Änderungen |
| Persönliche Erzählung zählt | Ein eigenes Lernprotokoll (Fragen, Projekte, Notizen) rahmt Noten als nur ein Teil-Signal | Gibt a Möglichkeit, Handlungsfähigkeit und Selbstwert jenseits von einer Prüfungsnote zurückzuholen |
FAQ:
- Is es legal, wenn a Professor allen die gleiche Note gibt?
Richtlinien unterscheiden sich je nach Uni. Manche Institutionen erlauben großen Spielraum beim Benoten, andere verlangen dokumentierte Kriterien. Wer pauschal nur Einsen vergibt, kann interne Überprüfungen auslösen – vor allem in großen oder verpflichtenden Lehrveranstaltungen.- San Prüfungen wirklich nachweislich biased?
Viele Studien zeigen Leistungsunterschiede in standardisierten Tests, die mit „Race“/ethnischer Zugehörigkeit, Einkommen und Sprache zusammenhängen. Das heißt ned, dass jede einzelne Prüfung rassistisch is – aber es heißt, dass Ergebnisse stark vom Hintergrund geprägt san, ned nur von Einsatz oder Talent.- Würden gleiche Noten die Meritokratie zerstören?
Kritiker:innen sagen ja. Befürworter:innen meinen, das aktuelle System sei ohnehin ka echte Meritokratie. Der Kernstreit is, was „Leistung“ messen soll: Testperformance, Fortschritt, Kreativität, Resilienz – oder a Mischung daraus.- Was kann a Studierende:r tun, wenn a Prüfung unfair war?
Um Einsicht bitten, schriftliches Feedback verlangen und mit Studienberatung oder Ombudsstelle reden. Konkrete Fragen („Können Sie mir diese Punkte erklären?“) funktionieren oft besser als a allgemeine Beschwerde.- Werden Unis wirklich ändern, wie sie benoten?
Manche experimentieren eh schon mit Bestanden/Nicht bestanden, portfolio-basierten Kursen und flexibleren Bewertungen. Veränderung is meist langsam und ungleichmäßig – aber Debatten wie die, die der Professor ang’stoßen hat, bringen’s Thema stärker in die Öffentlichkeit.
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